Fairer Preis für Lebensmittel: Was die Entwicklung des Konsums der Franzosen verrät
Oft ist von einem Rückgang des Anteils des Haushaltsbudgets die Rede, der für Lebensmittel ausgegeben wird.
Im Jahr 1960 gab ein französischer Haushalt fast ein Viertel seines Einkommens für die Ernährung aus; heute liegt dieser Anteil bei etwa 13 %.
Daraus zu schließen, dass die Franzosen weniger für ihre Ernährung ausgeben, ist ein Schritt, den man nicht zu voreilig gehen sollte.
In Wirklichkeit bleibt der Gesamtbetrag des Lebensmittelbudgets stabil oder steigt sogar leicht an,
aber seine Verteilung und seine Art haben sich grundlegend gewandelt.
Weniger Volumen, mehr Dienstleistungen
Das Hauptphänomen hinter dieser Transformation ist weder der „Geiz“ der Verbraucher noch der Preiskrieg zwischen den Handelsketten.
Es handelt sich vor allem um einen strukturellen Rückgang der zu Hause konsumierten Mengen.
Zwei Hauptfaktoren erklären diese Entwicklung:
Die Demografie
Die Anzahl der Familienmahlzeiten nimmt ab, die Haushalte sind kleiner und die Lebensstile fragmentierter.
Außer-Haus-Verpflegung
Restaurants, Kantinen, Sandwich-Bars, Lieferdienste usw. machen mittlerweile 35 % des gesamten Lebensmittelkonsums der Franzosen aus.
Mit anderen Worten: Der „Kuchen“ des Lebensmittelkonsums zu Hause schrumpft.
Und wenn der Kuchen kleiner wird, kämpft jeder härter darum, seinen Anteil zu behalten – daher der Preiskrieg im Einzelhandel.
Der „faire Preis“: Eher eine Frage der Wahrnehmung als der Mittel
Die von Isabelle Senand geteilten Daten zeigen es deutlich:
Die Franzosen können eine Preiserhöhung für ihre Lebensmittel tragen.
Der „faire Preis“ ist daher nicht mehr nur mit der Produktqualität verknüpft,
sondern auch mit der Servicequalität: Zubereitung, Lieferung, Praktikabilität, sofortiger Genuss.
Ihr Verhalten beweist es:
Die Ausgaben für Außer-Haus-Verpflegung steigen schneller als die konsumierten Mengen.
Anders ausgedrückt: Die Verbraucher akzeptieren es, mehr zu bezahlen, wenn sich der Mehrwert in Service, Erlebnis oder Zeitersparnis niederschlägt.
Was dies für die Erzeuger bedeutet
Für Landwirte und Verarbeiter wirft diese Entwicklung eine entscheidende Frage auf:
Wie kann man den Preis des Lebensmittels wieder mit seinem realen Wert verbinden,
dem Wert der Arbeit, der Qualität und der Nachhaltigkeit?
Kurze Wege und Produkte mit starker regionaler Identität aufwerten.
Auf Transparenz und Rückverfolgbarkeit setzen, um Vertrauen wiederherzustellen.
Neue Dienstleistungen rund um das landwirtschaftliche Produkt schaffen: Verarbeitung auf dem Bauernhof, praktische Formate, erweiterter Direktverkauf, Partnerschaften mit der lokalen Gastronomie.
Den Wert der Ernährung neu definieren
Der „faire Preis“ lässt sich nicht verordnen:
Er entsteht in der Beziehung zwischen Erzeugern, Verarbeitern, Händlern und Verbrauchern.
Heute geht es nicht mehr nur darum, Kalorien zu verkaufen,
sondern der Ernährung wieder Sinn und Wert zu verleihen –
auf dem Bauernhof wie am Tisch.
Die Franzosen sind bereit, mehr zu bezahlen,
aber sie wollen wissen, wofür.
Es liegt an uns allen gemeinsam, dafür zu sorgen, dass dieser Mehrwert auch diejenigen entlohnt, die uns ernähren.
Quelle: Zusammenfassung eines Artikels von Isabelle Senand für die Fédération du Commerce et de la Distribution, veröffentlicht am 13.05.2025
